Grenzen des Sagbaren

Indem wir die Grenzen des Sagbaren verschieben, verschieben wir auch die Grenzen des Machbaren. Wer das Ressentiment gegen welche Minderheiten auch immer predigt, ist unmittelbar auch mitverantwortlich für Taten wie die in Christchurch, Halle oder in Hanau. Und darum spielt es auch kaum eine Rolle, ob die Tat von einer einzelnen Person oder einer Gruppe geplant und ausgeführt wurde, es spielt auch keine Rolle, in welcher psychischen Verfassung der oder die Täter waren – es handelt sich ein ums andere Mal um Manifestationen eines latenten Faschismus, der – nie ganz besiegt – überall dort um sich greift, wo Orientierungslosigkeit in Hass umschlägt.

Um so wichtiger ist es, all den Propagandisten des Ressentiments das Wort zu entziehen und sie aus dem Diskurs zu drängen. Der demokratische Diskurs ist grundsätzlich ein offener Diskurs, an seinen Rändern kann viel gesagt werden, was mit seinen Werten längst nicht mehr übereinstimmt. Aber es gibt eben auch manches, was man schlicht nicht sagen darf …

Mediale Inszenierung

Natürlich ist das Attentat auf dem Berliner Weihnachtsmarkt ein tragisches Ereignis – so, wie alle Ereignisse tragisch sind, bei denen Menschen zu Schaden kommen, gar ihr Leben verlieren. Dieses Ereignis hat aber noch etwas zu Tage gefördert: Es gibt tragische Ereignisse, die geschehen fast unbemerkt und hinterlassen kaum oder gar keine Spuren – und es gibt solche, die zu einer Tragödie werden, weil sich die Medien ihrer bemächtigen und zu einer würdelosen Inszenierung machen. Kaum geschehen, schon feuerten die Medien auf (fast) allen Kanälen und verbreiteten eigentlich nur eines: Es gab Opfer – mehr weiß man aber eigentlich nicht. Und dieses Nichtwissen wurden stundenlang ausgebreitet, von immer neuen „Fachleuten“ bestätigt und wieder und wieder durchbuchstabiert! Und eben so wurde aus einer Nachricht eine – zutiefst unangemessene – Inszenierung. Eine Inszenierung, die in gewissem Sinne gar die Opfer all der anderen – ungehörten – tragischen Ereignisse verhöhnt! Zugleich haben wir einmal mehr das Gefühl, in höchst unsicheren Zeiten zu leben – geradezu „kontrafaktisch“, wie der Philosoph Michel Serres in seinem jüngsten Buch zu zeigen versucht!

Fake News? Es geht auch anders!

Es bedarf keiner groß angelegten Kampagne mit sog. gefaketen Informationen, um eine Wahl zu manipulieren, ein paar Halbwahrheiten reichen allemal. Z. B. die Kampagne der CDU in NRW, die die Verkehrspolitik der Landesregierung unmittelbar für die Staus im Lande verantwortlich macht. Davon ist eigentlich fast jeder Bürger im Ruhrgebiet betroffen und auch Merkel durfte sich zuletzt seiner uneingeschränkten Zustimmung sicher sein – solange niemand nach den Ursachen und den dafür Verantwortlichen fragt. Und wenn doch? Auf einer Fläche halb so groß wie Bayern drängen sich 20 Prozent aller bundesdeutschen PKW. Während sich die Zeit, die wir im Bundesdurchschnitt in einem Stau verbringen, in den letzten Jahren jedoch vervierfacht hat, liegt dieser Wert in der Rhein-Ruhr-Region nur beim Dreifachen. Das könnte man also auch als Erfolg der nordrheinwestfälischen Verkehrspolitik verbuchen, wenn es denn um die Sache ginge. Ach ja: Und wem verdanken wir die Tatsache, dass ein immer größerer Anteil des Güter-, aber auch des Personenfernverkehrs auf die Straße verlagert wird? Die Bundespolitik, namentlich Verkehrsminister Dobrindt, lässt grüßen! Dabei dürfen wir sicher sein, dass die Ökobilanz der LKWs denkbar schlecht ist, berücksichtigt man auch die externen Kosten vom Flächenverbrauch über die Feinstaubbelastung bis hin zu – genau – den Staus.