Nur zeitweise systemrelevant

Das Pech der Bootsflüchtlinge, die inzwischen vermutlich zu tausenden Opfer der expliziten Abschreckungspolitik der EU geworden sind (und vermutlich auch noch werden), ist, dass sie nicht systemrelevant sind – die Kosten humanitärer Einsätze an sich können es nämlich nicht sein, sind die doch Peanuts im Vergleich zu den Beträgen, die unsere Politiker uns die Rettung der Banken ohne zu zögern haben kosten lassen. Jedenfalls sind diese Menschen nicht mehr systemrelevant, wenn sie in Richtung Festung Europa aufgebrochen sind. Systemrelevant sind sie allenfalls, solange sie sich noch in ihren Heimatländern befinden: beispielsweise als Anwender oder Opfer unserer hochentwickelten Waffentechnik, als Konsument unserer hochsubventionierten landwirtschaftlichen Erzeugnisse oder schlicht als Tagelöhner bei der Gewinnung billiger Rohstoffe.

Dass zahlreiche Politiker sich noch unlängst erdreistet haben, humanitäre Hilfen auf dem Mittelmeer zu verweigern, weil diese die Menschen in Afrika doch nur ermuntern könne, sich auf den gefahrvollen Weg nach Europa zu machen, klang im ersten Moment vor allem zynisch – bei rechtem Licht betrachtet scheint aber auch schon der Vorwurf unterlassener Hilfeleistung nicht mehr zu treffen, denn es ist Vorsatz im Spiel.

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